
Makler - Die großen Abcasher? Foto: Liz West
Wieder einmal hat die Arbeiterkammer eine Presseinformation ausgesandt um die Höhe der Maklerprovision anzuprangern. Die bösen Makler verlangen doch glatt eine Provision von 3 Monatsmieten von einem Mieter oder 3% vom Käufer. Dies sei die höchste Provision in Europa.
Dazu gibt es folgendes anzumerken:
1, Niemand ist gezwungen eine Maklerleistung in Anspruch zu nehmen. Wenn jemand eine günstige Wohnung zur Miete sucht, dann gibt es oft private Angebote. Die Makler reißen sich nicht um derartige Aufträge, da hier nur wenig Geld zu verdienen ist.
2, Personen die sich in finanziell schwierigen Situationen befinden greifen oft auf Gemeindewohnungen oder Sozialwohnungen zurück, die sowieso nicht über Makler angeboten werden. Dazu muss man bedenken, dass mehr als 50% aller Wohnungen in Wien im Eigentum der Gemeinde Wien stehen. Von einem freien Wettbewerb kann man hier wohl sowieso nicht sprechen.
3, Maklerprovisionen sind immer erfolgsorientiert. Das bedeutet, dass wenn eine Vermittlung nicht zustandekommt, dann ist auch keine Provision zu bezahlen. Das beinhaltet das Problem für die Makler, dass sie oft sehr hohe Zeitaufwendungen haben, die niemand bezahlt. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen der Kauf sehr oft aufgrund von Finanzierungsproblemen nicht zustandekommt, kann das für den Makler eine sehr negative Auswirkung haben.
4, Für die Maklerdienstleistung gibt es in Österreich eine gesetzliche Höchstgrenze, die in gegenseitigem Einverständnis auch unterschritten werden kann. In einigen Ländern gibt es gar keine Höchstgrenze. Aber bedenken Sie, dass die Maklerdienstleistung, wie Beratung, Vermarktung, Suche, rechtliche Abwägungen, Preisberatung, usw. einen Kunden möglicherweise viel Geld, Zeit und Probleme erspart. Diese Leistung hat einen Wert und soll auch angemessen bezahlt werden.
5, In kaum einem anderen europäischen Land sind die Zugangsbeschränkungen bzw. Ausbildungsstandards für Immobilienmakler derart hoch wie in Österreich (konzessioniertes Gewerbe). Nur Frankreich und Schweden haben ähnlich hohe Ausbildungsstandards. Weiters sind Makler in Österreich verpflichtet eine Beratungshaftpflichtversicherung abzuschließen.
6, Zugegebenermaßen gibt es noch einige schwarze Schafe, die dem Ruf der Makler sehr schaden. Dagegen hilft auch die beste Ausbildung nichts, denn das ist eine Charakterfrage. Der Vorwurf, dass die Maklerprovision bei den Mieten öfters falsch berechnet wird, ist zum Teil berechtigt. Ich habe manchmal bemerkt, dass insbesondere günstigere Mietwohnungen mit höheren Provisionen als erlaubt angeboten wurden. Schuld sind hier zum Teil auch die Vermieter, die manchmal nicht nur keine der 3 möglichen Mieten Vermieterprovision bezahlen, sondern dann von der erzielten Maklerprovision des Käufers auch noch eine Monatsmiete rückvergütet haben wollen, weil er dem Makler das Recht gab, die Wohnung anbieten zu dürfen. Jeder Makler der sich auf derartiges einlässt ist selber schuld.
7, Die Darstellung der Provisionen ist in Österreich höchst ungeschickt. Beim Verkauf ist die Provision 3% + 3%, also gesamt 6% des Kaufpreises. Der Käufer erhält also einen Preis angeboten und die Marge des Maklers wird mit 3% extra ausgewiesen. Wenn das bei Autos ebenso transparent dargestellt wäre, dann würden sich alle über die bösen Autoverkäufer aufregen. Aber wenn der Verkaufsaufwand, wie in jeder anderen Branche in den Produktpreis eingerechnet wird, dann gibt es einen Gesamtpreis den der Käufer gut mit anderen, auch privaten Angeboten, vergleichen kann. In vielen anderen Ländern wie den USA oder England wird die gesamte Provision in Höhe von 5% nur vom Verkäufer verlangt. Deshalb gibt es in diesen Ländern auch keine Provisionsdiskussion. Diese Umstellung des Provisionssystems wäre auch in Österreich längst fällig.
Abschließend kann ich nur sagen, dass die Leute, die der Meinung sind, dass die Makler alle reich sind, keine Ahnung von der Realität haben. Ich kenne die Umsätze der RE/MAX Kollegen österreichweit, die eher über dem Durschnitt der österreichischen Makler liegen. Wenn jemand sehr hart arbeitet, oft an Abenden, teilweise an Wochenenden im Einsatz ist, und sein Geschäft aufbaut, dann kann er nach ein paar Jahren ein leicht überdurchschnittliches Gehalt eines österreichischen Arbeitnehmers erzielen, also umgelegt ca. 2000,- bis 3000,- Bruttoeinkommen. Dafür hat er aber die ersten Jahre viel Zeit und Geld investiert, das er damit noch nicht zurückverdient hat und nimmt ein hohes Risiko auf sich. Ein geringer Prozentsatz der Makler verdient mehr, der Großteil verdient aber weniger.
Denken Sie daran, wenn wieder auf die bösen, gierigen Makler losgeschlagen wird.
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